Donnerstag, 19. Dezember 2013

Review: Death Grips - No Love Deep Web

Ganz schön doof sind übrigens Death Grips. Über den nur ein Jahr verspäteten Re-Release ihres Albums "No Love Deep Web" habe ich nämlich noch ein paar erklärende Worte geschrieben (sogar das Wort "Penisplatte" kommt vor), kurz bevor die schon wieder ein komplett anderes Album geleakt haben. Deswegen ist mein Text jetzt nicht in der Juice – sondern halt hier.

Death Grips – No Love Deep Web

Ja, die Penisplatte. Ja, genau die wütende Band, die „No Love Deep Web“ im Oktober 2012 kurzerhand selbst leakte, garniert mit ein paar Label-Interna. Der Vertrag mit dem Sony-Ableger Epic flog so mit Schwung aus dem Fenster, nachdem für ein paar kurze Monate alles gut schien: Musikbiz-Ikone L.A. Reid bewies mit dem Signing des Trios aus Sacramento Eier und Weitsicht, das gewaltige „The Money Store“ wurde von der Kritik begeistert aufgenommen. Aber schon bald hatte die Band nach Umstrukturierungen jeglichen Rückhalt bei Epic verloren, eigenmächtig eine Tour abgesagt und kein Releasedate mehr für ihr kommendes Album. Der resultierende Fallout ist, wie gesagt, über ein Jahr her. Inzwischen hat die Band mit Thirdworlds ein eigenes Sublabel bei Harvest Records, einem gerade wiederbelebten, traditionsreichen Rocklabel, das über Capitol zur mächtigen Universal-Gruppe gehört. Aber bevor dort ein für 2014 angekündigter Nachfolger erscheint, kommt jetzt eben „No Love Deep Web“. Noch einmal. Auf Tonträgern und mit penisverdeckender Schutzhülle, aber inhaltlich unverändert.


Soweit die Geschichte. Und die Musik? „No Love Deep Web“ peitscht dich immer noch mit der rostigen Königskette, bis dir Hören und Sehen vergeht. MC Ride bellt und brüllt, kreischt und orakelt vieldeutig. Die einschüchternden Produktionen von Zach Hill (bitte auf Youtube anschauen, wie er 10 Minuten in Handschellen Schlagzeug spielt) und Flatlander sind klaustrophobische, abstrakte Angelegenheiten aus angezerrter Elektronik, Jazz-inspirierten, live gespielten Drumspuren und noisigem Post-Punk-Gefühl, dabei aber immer unmissverständlich HipHop. Und gerade durch die unerbittliche, skelettartige Gesamtheit aus Wut, Paranoia und Verzweiflung ist „No Love Deep Web“ in seiner Essenz viel intimer und offener, als man zuerst für möglich hält. Ein kathartisches, physisches Erlebnis, das nur deswegen keine fünf Kronen mehr bekommt, weil wir es schon so lange kennen. Bleibt zu hoffen, dass der neue Mutterkonzern die mutige Wette auf Death Grips nicht bereuen muss.

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