Mittwoch, 27. Mai 2009

Deutschrapgeschichten: RHP

Anfang der Neunziger war HipHop in Deutschland ja recht einfach gestrickt: Entweder, du standest auf Fanta-4-Pop-Rap und warst Sellout, oder du hattest den Alte-Schule-Schriftzug ins Hirn tätowiert und hast "Toy Terminator" mitgegrölt. Dazwischen gab es nicht wirklich viele Positionen, die man einnehmen konnte. (Die Reimachse war vielleicht ein Versuch in diese Richtung, wurde weitgehend genauso als Pop einsortiert und hat nicht besonders viel Respekt von der Oldschool bekommen.)

Erst 1993 kam dann jemand um die Ecke und zeigte eine ganz neue Perspektive, indem konsequent alle vorhandenen Lager und Ideologien gleich behandet wurden. Nämlich gleich scheiße. So erschien, wir erinnern uns, das Rödelheim Hartreim Projekt aus dem Nichts auf der Bildfläche, und disste auf dem ersten Album die Fantas genauso wie Advanced Chemistry.



Heute wirkt das natürlich völlig handzahm, aber wenn man mal zurückschaut, finde ich das, was Pelham und sein Sidekick Hoffman damals mit 3p gemacht haben, ziemlich weit vorne und irgendwie auf der gleichen Linie, mit der viele Jahre später Aggro Berlin durch die Decke gegangen ist. Eine deftig provokante fickt-euch-alle-Mentalität, Produktionen und Videos auf extrem hohem Niveau (das muss man ihnen wirklich lassen) und eine Labelmaschine im Hintergrund, die sich nach US-Vorbild schlau den eigenen Nachwuchs züchtet. (Wie das dann mit Setlur und Naidoo später gelaufen ist, lasse ich mal außen vor, aber ihr wisst schon.)

Und eigentlich schreibe ich das auch nur auf, weil ich gestern über das unglaublich slicke "Türkisch" vom zweiten RHP-Album gestolpert bin, und nicht einfach nur das Video posten wollte. Also:

Kommentare:

  1. ich war damals als Stuttgarter natürlich verpflichtet Fantas gut zu finden und 3p zu hassen, hab aber heimlich alle RHP Platten gekauft und konnte die Texte auswendig! ;) Videos waren in der Tat alle top.

    und moses kann man heute auch noch beim rappen zuhören (doubletime!)

    MEHR BASS! ;)

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  2. Lustig ist, dass damals alle "HipHop" Magazine die generell viel zu cleane Musik und die Synthiesounds vom ersten RHP Album kritisiert haben, nur um Jahre später den selben Dreck in den Himmel zu loben! Ich hatte das Album übrigens auch... heimlich, der Realness wegen ;-)

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  3. Das war Rap wie ein Weckruf. Nach wie vor extrem geschmeidig, wortreich und wortgewandt, ich bin dann aber damals wieder abgewandert als Hamburg-Hip Hop diesen Flow auch mit Witz und ohne redundantes Gedisse ablieferte.

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