Samstag, 21. Februar 2009

Notorious

Was für eine tolle Tradition: Ich habe mal wieder der Pressevorführung eines Films beigewohnt. Beim letzten Mal schrieb ich darüber, wie militaristisch die Sicherheitsvorkehrungen im Pirateriezeitalter anmuteten, mit Metalldetektoren und so. Der gestrigen Vorführung des Biggie-Biopics Notorious nach ist das mit der Piraterie heute nicht mehr so schlimm: Man betritt würdig das Streits, trägt sich selbst auf einem weißen Blatt Papier ein, lässt sich ein Getränk auf Kosten des Hauses reichen (was ich natürlich dankend abgelehnt habe, ich will ja nicht zum weiteren Niedergang der Unterhaltungsindustrie beitragen) und geht Film gucken. Und im Gegensatz zur üppigen Berlinale-Inszenierung war das sehr familiär, mit dreißig, vierzig über den Raum verteilten Menschlein und immerhin inklusive DJ Mad, Laas "Out Now" Unltd. und dem Nachwuchstalent Luxus Luther auf Seiten der HipHop-Prominenz.

Der Film? Der Film. Notorious. Zum Glück OmU. Bleibt das eigentlich so?

Eigentlich war er ziemlich genau wie erwartet: Biggies Leben vom kleinen, dicken Zeugen Jehovas mit einem Traum (nämlich von weißen Air Force Ones, bunten Shirts und Goldketten) über das Crackdealen an der Ecke bis zum in jeder Hinsicht riesigen und letztlich tragisch toten Rapstar, flankiert von Cease und Puffy ("What kind of grown man calls himself Puffy?"), der hysterischen Lil' Kim und Faith Evans, Freundschaften und Fremdgeherei und dem leicht überstrapazierten Mantra: "Before we can change the world, we have to change ourselves."

Biggie, der Mann von der Ecke, der seinen Traum lebt, Pac, der Homie aus dem Westen, der plötzlich ungerechtfertigt paranoid wird, Puffy, der fast genauso unterhaltsam überdreht rumhampelt wie in Wirklichkeit (was man aber doch nur dem Echten abnehmen würde) – das alles, überzogen von einer wetterfesten Schicht Tragik, Glanz und Hollywoodmoral, ohne die so ein Film im Kino eben nicht auskommt.

Klar hätte ich mir gewünscht, das alles etwas nüchterner zu beleuchten, mit dem zugerauchten, einsilbigen Wrack mit höchst zweifelhafter Zukunft, das Christopher Wallace zuletzt war, aber natürlich wäre es schwer, daraus eine Heldenstory zu machen. Und die braucht man ja, wenn es schon keine brauchbare Lovestory gibt. Also sollte man sich wohl einfach darüber freuen, dass es in einem Mainstreamfilm mal wieder ein paar handfeste Gänsehautmomente für Rapfans gibt. Hat man ja auch nicht alle Tage. Und kann man auf jeden Fall ohne zuviel Fremdschämen sehen.

(Recommended reading: Staiger zum Thema)

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