Sonntag, 7. Dezember 2008

Klaus Doldinger, Jazz und die GEMA

ZEIT ONLINE: Sie sitzen im Aufsichtsrat der GEMA. Was bedeutet die Unterscheidung in E- und U-Musik in Bezug auf Jazz?

Doldinger: Was die Aufführungspraxis angeht, fällt der Jazz unter die Unterhaltungsmusik. Aber ich habe bewirken können, dass wir wenigstens in der Ausschüttung für normale Live-Veranstaltungen das Doppelte von dem bekommen, was ein Schlagerkomponist für die Aufführung seines Werkes erhält.

ZEIT ONLINE: Wie das?

Doldinger: Die Begründung hierfür liegt im kulturellen Wert des Jazz, aber auch in der Tatsache, dass man mit einer Jazzgruppe weitaus weniger Stücke zur Aufführung bringt als eine Unterhaltungsschlagerband. Wir spielen in der Regel in einem Konzert 16 bis 18 Stücke. Es gibt aber Jazzgruppen, die in einem Konzert vielleicht nur sieben oder acht spielen, bedingt durch die Länge der Stücke. Da die Ausschüttung nach Anzahl der Aufführungen pro Werk vorgenommen wird, kann man leicht nachvollziehen, dass der Jazzkünstler da benachteiligt ist.

Klaus Doldinger setzt sich also da hin, erzählt, was er in der GEMA zu seinen Gunsten durchsetzen konnte, und erklärt im gleichen Atemzug, dass ein Konzert seiner Band überhaupt nicht unter die gerade angeführte Argumentation fällt, Jazzer müssten mehr GEMA-Geld kriegen, weil sie ja weniger und längere Lieder spielen.

Hauptsache Jazz ist kulturell grundsätzlich wertvoller als der ganze dröge Rest, der ja eh nur aus Schlager besteht. Da sieht man mal wieder ganz schön, was für ein hochnäsiger Opportunismus in den Amtsstuben deutscher Musikwirtschaft herrscht.

Kommentare:

  1. Das Jazzetablissement der Lederellenbogenfleckensackoträger ist im Grunde eben doch nur eine in beiges Cordbeinkleind gesteckte Version der eisernen Hüter der Sinfonieorchesterleiterrechte. Alle Musik, die unterhält hat keinen kulturellen Wert? Noch schlimmer ist nur, wenn man auch noch darauf tanzen kann. Diese Adorno-Doktrin müssen wir doch langsam in den Geschichtsschaukasten legen können. Neeneee...schon gut...es stimmt schon, dass jeder Künstler, jedes Label und jedes Medium, das sich mit Musik neben der E- und der hier in Artenschutz gestellten Jazzmusik beschäftigt, ausschließlich der Gewinnmaximierung dient oder nur Unsinn im Sinn hat auf jeden Fall aber keinerlei Interesse an inhaltlichem Wert der Musik hat...grrrhh...da kann ich nicht rational bleiben. Das ist nicht nur bei der GEMA zu finden; auch bei die Förderungspolitik und die Steuerpolitik in Bezug auf Musik (ob Veranstaltung oder Veröffentlichung gibt sich nicht viel) sind sehr schöne Beispiele. Da sind wir echte Spitzenreiter in Europa und ich nehme an, dass wir da sogar die Amis überbieten and Konservatitivität. Jetzt habe ich mich aber genug geärgert..

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  2. "Der Jazz wird immer eine Minderheitensache bleiben, weil er zu anspruchsvoll ist, das ist schon klar."

    Schreckliches Interview. Ich glaube, ich würde lieber zuhause Mingus hören, als Doldinger irgendwann mal zu treffen.

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  3. ausschüttung pro minute und ab dafür - was sollen sonst bands wie pink floyd und andere hippieköpfe erhalten: 2 songs gespielt, 3,50€ erhalten?

    diese unterteilung in u- und e-musik ist eh unsäglich und entspricht einer musik-apartheids-denke.

    das ist das eine, auf der anderen seite sind die strukturen historisch verquast und ich kann mir nicht vorstellen, dass künstler wie beispielsweise das kronos quartet, die in den staaten mit sog. e-musik geld verdienen, hierzulande ohne förderung überleben könnten.
    und die monokulturpflegende unterhaltungsindustrie würde diesen künstlern wohl kaum den nötigen raum geben.

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  4. @kleinski: Ich würde ja fast wetten, dass Bands wie Kronos hierzulande unter Rock und damit U-Musik fallen. Hier gibt es auch etwas Amtsdeutsch über die Einstufung … http://www.gema.de/urheber/werke-anmelden/einstufung-ihrer-werke/

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  5. oh ja, das könnte sein, charles ives war ja auch der hardcore-blueprint und wenn philip glass nicht der lemmy kilmister unter den zeitgenössischen komponisten ist, wer dann ;-)

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