Dienstag, 25. November 2008

Platten, in Kürze

Osaka Monaurail "Amen Brother" (Unique/Groove Attack)
Dass diese Band auf der Bühne schwer zu toppen ist, habe ich ja wohl schon erwähnt. Dementsprechend ist "Amen Brother", ein Konzeptalbum aus "funk instrumentals from way back in the day", natürlich musikalisch ziemlich makellos, schafft es aber nicht ansatzweise, die Power dieser Band zu konservieren. Dazu kommt, dass man sich bei der Umsetzung der Covers nicht sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat, und so schön es ist, die Osakas auch mal auf anderen Pfaden wandeln zu hören: Letztlich wird keine einzige Nummer dadurch geiler, als sie mal war. Selbst "Hey Jude" von den Beatles, das live wirklich alle irre gemacht hat, kommt hier ein wenig ernüchternd daher. Vielleicht tut Unique der Band keinen großen Gefallen damit, "Amen Brother" gleich als zweites Monaurail-Album zu verpacken, während es in Japan als Spinoff unter dem Namen "Undercover Express" veröffentlicht wurde – zumindest hätte man fürs Artwork Fotos aussuchen können, auf denen Ryo Nakata nicht vorne am Mic steht. Hier singt nämlich niemand.

Chicago Afrobeat Project "(A) Move to Silent Unrest" (CABP/Groove Attack)
Die gute Nachricht zuerst: Die Band klingt bei weitem nicht so uninspiriert wie ihr Name. Die schlechte Nachricht: Auch gut inspiriert ist nur halb gewonnen. So bekommt man hier eher leicht verdauliche Afrobeat-Kost mit merklichen und durchaus sympathischen Jazz- und Latin-Einflüssen, von der am Ende aber nicht viel hängen bleibt. Durchaus okay und respektvoll traditionsbewusst, aber neben heutigen Acts wie Antibalas, Massak, Budos Band oder zuletzt Karl Hector & The Malcouns reicht mir das einfach nicht. Lieber nachschauen, ob es nicht noch eine Fela-Platte gibt, die man bisher verpasst hat.

6ix Toys "6ix Toys" (First Word/Groove Attack)
Ganz schön groß: Die crossdressende Raw-Funk-Coverversion von Prodigys "Voodoo People", die im Idealfall nur Gehacktes auf der Tanzfläche hinterlassen sollte. Und die gibt es auch als 7". Der Rest ist mehr als solide gespielt, leidet aber sehr unter schwachen, austauschbaren Songs. Nichts, was beispielsweise die Apples oder Mr. Confuse (bitte richten Sie Ihren Blick auf die nächste Platte) nicht besser könnten.

Mr Confuse "Feel the Fire" (Légère Recordings)
So wird's gemacht: Mr Confuse, ehemals Teil der Hannoveraner Brokenfunkster Breakout (deren "Planet Rock" 2006 alles gekillt hat), fährt die ganz großen Geschütze auf, sperrt sich mit einem Haufen Musiker im Studio ein und liefert ein Musterbeispiel für zeitgemäßen Raw Funk ab: Mächtige Drumbreaks, hart peitschende Bläsersätze, beseeltes Orgeln – eine konsequente Symbiose zwischen Tanzfläche und Tradition, zwischen Sampler und Live-Feel. Auch hier gibt es Nummern, vor allem unter den Instrumentals, die schnell langatmig werden und einen nie so recht packen wollen, auch "das kenn ich doch irgendwoher"-Momente sind nicht ganz selten, aber die Soundästhetik rettet Vieles und Sureshots wie "When I Hear Music" zeigen, was bei modernem Funk gerade so state of the art ist. Und das aus Hannover. (Ja, Hannover. Da habe ich neulich auch ganz anbiedernd zwei Nummern von diesem Album aufgelegt, bevor mir der spätankommende Herr Confuse irgendwann höchstselbst vorgestellt wurde. Falls er das also lesen sollte: Gruß!)

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