Montag, 3. November 2008

Gepflegte Radiolangeweile

Radiohören ist hierzulande nicht immer, aber doch sehr häufig eine Strafe, wenn man so etwas wie einen Musikgeschmack besitzt, der über die größten Hits der Achtziger, Neunziger und das Beste von heute hinausgeht. Das sage ich nicht nur als Musikzicke und Kulturpessimist, sondern auch als jemand, der sich beruflich viel mit dem Medium Radio auseinandersetzen durfte. (Und besonders weit lehnt man sich ja damit auch nicht mehr aus dem Fenster, zugegeben.)

Deswegen will ich gar nicht groß kommentieren, sondern nur kurz weitergeben: Der Hessische Rundfunk ist der Meinung, dass bei seinen jährlich nur rund 400 Millionen Gebühreneinnahmen nicht genug Kleingeld übrig ist, um Musikjournalisten Radio machen zu lassen. Oder, anders: Woanders macht das doch auch keiner mehr. Wieso sollte man sich da noch jemanden wie Klaus Walter leisten, der seit 1984 mit "Der Ball ist rund" eine der letzten großen Institutionen im deutschen Musikradio moderiert?

Konsequenterweise sägt HR3 nun auch zum Jahresende nach schlappen 24 Jahren die Sendung wegen zu schlechter Zuhörerzahlen ab, ebenso wie auch Walters Kollegen Volker Rebell – mehr zum Thema sollte man demnächst hier erfahren. (via)

Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie ein schlaues, musikjournalistisches Radioprogramm auch ohne Gebührenmillionen ermöglicht wird, kann sich ja mal bei ByteFM umschauen – da kann man nämlich auch weiterhin Klaus Walter hören. (Und heute ab Mitternacht zufällig auch wieder Soulfood von Herrn Soupé.)

1 Kommentar:

  1. Ich frage mich nur, wie die Engländer das machen. BBC funktioniert für mich seit Jahren. Craig Charles, Robbo Ranx, Mista Jam und Bailey sind nur eine kleine Auswahl von mehr als brauchbaren DJs. Bei einem staatlichen Sender.

    Und auch die privaten Sender spielen nicht nur Schrottmusik und Werbung.

    Nur das Musikfernsehn ist dort auch Mist.

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