Freitag, 1. August 2008

Zur Lage der Nation

Nur mal am Rande, weil ich es heute an anderer Stelle geschrieben habe und es doch mein Verhältnis zur alten Tante HipHop und dem lieblosen Umgang mit ihr ganz gut auf den Punkt bringt … als Steilvorlage diente mir die Aussage:

der relative anteil dessen, was ich qualitativ spannend finde, ist in den letzten 10 jahren deutlich zurück gegangen  (…) vielleicht sollte man es aber auch anders sehen: die qualität ist absolut konstant geblieben, während die nicht-qualität absolut angestiegen ist.

Ich behaupte: Der Anteil Bullshit, in Musik, Kultur, Menschen ist eine Konstante. Und vor 10 Jahren gingen die Rap-Grammys an:


"Men In Black" von Will Smith
"I'll Be Missing You" von Puff Daddy, Faith Evans und 112
No Way Out von Puff Daddy & The Family


2008 kriegen Common und Kanye West Grammys, KIZ waren Top 10, und das Gejammer, dass HipHop ja nicht mehr so dope ist wie früher, ist allerorts noch genauso laut wie vor 10 Jahren. Denn, und das vergisst man gerne: Obwohl damals tonnenweise Deutschrap in den Charts war, war dieser reflexhafte Kulturpessimismus genauso präsent, so wie es wohl immer ist, wenn Dinge wie die eigene Subkultur sich verändern.


Es sei ja jedem freigestellt, so zu denken, das ist hochgradig subjektiv und deswegen verabschiede ich mich auch hiermit aus dem Topic. Aber dieser Distanzierungsreflex (HipHop ja, aber!) langweilt mich offen gestanden. HipHop? Ja. Auch wenn es unendlich viel langweiligen Bullshit gibt, immer gab und immer geben wird. Kein Anhänger irgendeiner Musikrichtung wird für sein Genre ernsthaft etwas anderes behaupten können. Ich lasse mir doch von ein paar prolligen
Kids mit Bandanas nicht Rap vermiesen, die sind meist nicht HipHop, sondern Youtubegangster.


Soll ich Rap hinter mir lassen, weil ich "erwachsen" werde und Bushido und Massiv wack finde? Das mag zwar in der öffentlichen Wahrnehmung alles HipHop sein, mir ist es einfach schnuppe. Ein harter Rocker muss sich auch nicht für Bon Jovi und die Toten Hosen verantworten. Fick Kids mit Bandanas, ich bin gerne auch noch HipHop, wenn ich Sido feiere, Anzug trage oder Techno auflege. Aber wie soll HipHop als Bewegung denn selbstbewusst und stark sein, wenn sich niemand über 18 damit identifizieren will, weil ihn sonst alle für einen Gangster oder Kindskopf halten?


So. Und jetzt viel Spaß noch, ich muss Mulatu Astatke hören und mein Bling polieren.

Kommentare:

  1. Du bringst es auf den Punkt.

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  2. Danke danke, viele wahre Worte natürlich nicht nur für den Hip Hop.

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  3. über musik zu schimpfen, ist wie wetter-bashing.

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  4. fjen alta!
    du solltest bücher schreiben und vorträge halten...für eine bessere deutsche hiphopwelt.
    ich mag sido auch! :-)

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