Freitag, 4. April 2008

My Wax: J-Live "Braggin' Writes"

Das ist mal wieder keine besonders abwegige und rare Wahl, sondern eher ein sehr solides Stück New Yorker Wertarbeit, zu dem es nicht irrsinnig viel zu erzählen gibt, außer dass ich es wahrscheinlich wirklich zu Tode gehört habe (und es immer noch feiern kann). Insgeheim geht es aber auch gar nicht nur um J-Live:

Entdeckt habe ich "Braggin' Writes" damals als ersten Track auf "New York Reality Check 101", einer von DJ Premier gehosteten und gemixten Compilation auf Payday, die als schweres Dreifachvinyl im riesigen Klappcover mit Haze-Artwork daherkam und die ich auch heute noch für eine der wichtigsten Eastcoast-Underground-Compilations halte. Auf jeden Fall in der selben Liga wie Soundbombing 1, nur ohne Evil Dee, wie Soundbombing zwei, nur um Welten ruffer, wie die erste Lyricist Lounge, aber erfrischenderweise nicht von Rawkus. DJ Premier mixt und cuttet sich auf seine typisch stoische Art durch abseitige, düstere Indie-Maxis, von denen einige (L the Head Toucha - Too Complex? Street Smartz - Metal Thangz? Special Ed - Think Twice?) definitiv den Test der Zeit bestanden haben und auch heute noch killen.

Ich wage sogar zu behaupten, dass ich hier zum ersten Mal Company Flow gehört habe, kurz vor "Funcrusher Plus", aber damit würde ich noch ein völlig anderes Fass aufmachen, um das ich mich lieber sonstwann kümmere.

Dazu kommt, dass ich bei "Braggin' Writes" tatsächlich eine Weile gebraucht habe, um zu checken, was hier DJ-technisch passiert: Tatsächlich besteht nämlich die Originalversion schon daraus, dass J-Live Backspins mit einem simplen Loop macht, über die er dann rappt, und Premier selbst nimmt dann auch nochmal zwei Copies, mit denen er wiederum Backspins und simple Juggles macht. Das war mir erstmal ein bisschen zuviel, aber irgendwann um so schöner, es zu kapieren und selber zu probieren. (Hey, ich hatte mir gerade erst zwei billige DJ-Plattenspieler von Conrad erjobbt.)

Letztendlich steht das hier also stellvertretend für eine spannende Phase meiner HipHop-Sozialisation, für meine DJ-Anfänge mit 16, für kein Internet und Platten bestellen bei Crazy Large und Frontline, für die Zeit, als Rawkus gerade der Inbegriff guten Ostküstenraps und Backpacker noch kein Schimpfwort war. Und nein, früher war ganz sicher nicht alles besser. Nur ein bisschen anders.

So hörte sich das also an:

Kommentare:

  1. Mal wieder wunderbar zu lesen und ey, geiles Teil, ist an mir vorbei gegangen... :-| hmmm! Aber eine LB Veröffentlichung gibts natürlich wieder!

    AntwortenLöschen
  2. Danke!

    Und den Sampler findest du ja vielleicht auf der nächsten Kuchenplatte ;)

    AntwortenLöschen
  3. Apropos NY reality check 101. Da gabs doch einen Artist namens
    Rezidue "inner city blues". Quizfrage: was ist aus Rezidue geworden? Nie wieder von ihm gehört...?!

    AntwortenLöschen
  4. Dear Author could you release english version of that article?
    Regards.

    AntwortenLöschen