Sonntag, 20. Januar 2008

Madig

Eigentlich sollte dieser Text mit dem Satz "Carlo Thränhardt ist ein scheinheiliger Labersack" beginnen. Weil das aber zu billig und plakativ ist, und der Text generell nicht spannend genug für so einen Aufriss, fängt er jetzt so an:

Ich gucke ja ganz gerne das Dschungelcamp, Verzeihung, die RTL-Sendung mit dem griffigen Titel "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" Nachdem ich einige Monate lang den Fernseher kaum noch eingeschaltet habe, traue ich mich tatsächlich ausgerechnet dafür wieder ran. Nett finde ich zum Beispiel, dass die Präsentation durch das Zietlow-Bach-Urwaldmoderationsgespann sich einerseits den Spaß an unverhohlener Bosheit bewahrt, und dass die zwei zudem auch nicht besonders motiviert so tun, als hätte man es hier wirklich mit so etwas wie Stars zu tun („Was designt Barbara Herzsprung?“ — „Dirndlschürzen!“ — „Es gibt Designer für Dirndlschürzen?“ — „Barbara Herzsprung!“). Dass auch solche Aussagen wie die von DJ Tomekk über den Äther gehen dürfen, der sinngemäß sagte: "Schade für die Lisa, die hätte das ja ganz gut brauchen können. Ihre Karriere ist ja noch ganz am Anfang", ist ja fast schon erschreckend viel Offenheit für das deutsche Fernsehen.

Schade ist dabei einfach nur, dass da im Wald außer fortschreitender Verblödung (um Ross mache ich mir schon Sorgen) überhaupt nichts zu passieren scheint. Entsprechend bemüht wird jeder Minikonflikt in der Tageszusammenfassung dramatisch aufgeplustert, bis er vermeintlich wirkt wie Bürgerkrieg zwischen Ungeziefer.

So weit, so uninteressant. Was mich ärgert: Wieso kommt der olle Hochsprungzausel Carlo Thränhardt jetzt auf einmal um die Ecke und darf dem Spiegel erzählen, Er verstehe nicht, wie jemand da heute noch einsteigen könne. Nur, um dann gleich für sich selbst eine Ausnahme zu machen: Er selbst verbuche seine Teilnahme als soziologisches Experiment und interessante Erfahrung.

Wem will er dieses Gefloskel weismachen? Ist in Deutschland denn wirklich noch jemand einfältig genug, diese Sendung zu sehen und den Kandidaten drei Staffeln lang ihr Herausforderungs-Selbstverwirklichungs-Motivationsgequatsche abzunehmen, ohne auf die Idee zu kommen, dass die auch was davon haben? Hätte Carlo diesen supi Soziologietrip auch gemacht, wenn man ihn für lau ohne Kameras im Hochschwarzwald weggesperrt hätte? Oder kommt der gute Mann am Ende wirklich nicht auf die Idee, dass diese versammelten D-Promis, Ex-B-Promis, Ex-Sportler und Ex-mit-Promis-Tänzerinnen einfach ein bisschen Geld und Publicity brauchen können?

Nee. So doof kann der Thränhardt auch nicht sein. Sonst könnte er SpOn im März auch ein Interview über den Osterhasen geben, das würden die auch noch veröffentlichen.

PS: Hier kann man mal sehen, wie fernab der Zivilisation dieser mordsgefährliche Dschungel liegt. (Quelle)

Kommentare:

  1. :) nett dass du meine gedanken aufgeschrieben hast.
    morgen wird mein fernseher abgeholt.

    AntwortenLöschen
  2. Radikalkur!
    Ich guck es vermutlich doch noch zu Ende, dann darf der Fernseher aber wieder aus bleiben.

    (DJ Tomekk hat sich den Ischiasnerv eingeklemmt!)

    AntwortenLöschen